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014 Parmenides

parmenides_groß

Wie bereits angekündigt, befinden wir uns in den nächsten Folgen gedanklich in Elea. Beginnen werde ich gleich mit dem wichtigsten Vertreter der Eleaten; mit Parmenides. Er blühte in der 69. Olympiade also 504/501 v.u.Z..

Parmenides ist nicht nur Forscher und Diplomat sondern in erster Linie einer der ganz großen Philosophen.

Parmenides ist ein Schüler des Xenophanes und des Anaximanders(?). Er hinterlässt uns ein Lehrgedicht mit dem Titel Über die Natur, das zu großen Teilen erhalten ist. Hier der dramatische Einstieg in das Denken des Parmenides:

Die Rosse, die mich dahintragen, sie brachten mich,

soweit mein Herz begehrte, nachdem mich die

Göttinnen auf den vielgerühmten Weg geleitet hatten,

der den wissenden Mann unversehrt zum Ziel führt.

Auf dem fuhr ich dahin; denn auf dem trugen mich die

klugen Rosse dahin, die den Wagen zogen; die Mädchen

aber führten mich den Weg. Die Achse, die schon anfing zu glühen,

ließ in den Naben einen pfeifenden Ton hören –

denn sie wurde an beiden Enden durch zwei herumwirbelnde

Räder getrieben – ,

jedesmal wenn die Sonnentöchter, die das Haus der Nacht verlassen

und mit der Hand den Schleier von ihrem Haupte zurückgeschlagen hatten,

sich beeilten, mich zum Licht zu geleiten.

Dort ist das Tor, durch das die Pfade von Tag und Nacht gehen.

Türsturz und steinernde Schwelle umfassen es.

Es selber – in Äthers Höhen – ist

von mächtigen Türflügeln ausgefüllt. Zu ihnen hat Dike,

die Göttin der Vergeltung, die wechselnden Schlüssel.

Ihr nun redeten die Mädchen mit schmeichelnden Worten zu

und bewogen sie klug, ihnen rasch den versperrenden

Riegel von dem Tore zu stoßen. Das aber öffnete sich und ließ die Türflügel weit auseinander klaffen, nachdem sich die ehernen Pfosten,

die mit Zapfen und Dornen eingefügt waren,

nacheinander in ihrer Höhlung gedreht hatten.

Dabei lenkten die Mädchen mitten durch das Tor auf derFahrbahn Wagen und Rosse.

Freundlich empfing mich die Göttin, ergriff meine Hand und sprach zu mir:

Jüngling, unsterblicher Zügelhalterinnen Gefährte, der du mit den Rossen, die dich

hierhergetragen, in unser Haus kommst, sei mir gegrüßt!

Denn dich hat kein böses Geschick diesen Weg geleitet

(liegt er doch weitab vom Pfade der Menschen!), sondern

Recht und Gerechtigkeit. Darum sollst du auch alles erfahren:

der wohlgerundete Wahrheit unerschütterlichesHerz wie auch die Wahnvorstellungen der Sterblichen,

denen keine wahre Überzeugungskraft innewohnt.

Trotzdem sollst du auch davon Kunde erhalten, wie man,

wenn man alles allseitig durchforschte, das,

was (den Menschen) zu sein scheint, prüfen muss. Aber du

halte von diesem Wege der Forschung dein Denken fern

und lass dich nicht durch die vielerfahrene Gewohnheit auf diesen Weg drängen,

dein Auge, das ziellose, dein Gehör, das brausende, und deine Zunge zu gebrauchen; lass allein dieVernunft die Entscheidung fällen in der viel umstrittenenFrage, die ich dir vorlege.

So bleibt dir noch der Mut zu einem Wege …

Die “Wahrheit” muss allerdings noch bis zur nächsten Folge warten.

1 Kommentar

  1. Der arme Parmenides. Parmenides war niemals ein Philosophie, sondern er war ein Arzt, und der Arzt war in der Regel auch Priester. Ebenso gilt das für Heraklit. Heraklit interpretiert den Parmenides!!!
    Ich füge nun meine eigene Übersetzung des Prooimiums ein. Ich habe das gesamte Lehrgedicht neu und ohne Hilfe von Sekundärliteratur überesetzt. Nur Grammatiken und Lexika habe ich benutzt.
    Im übrigen: jede tautologische Interpretation und Übersetzung ist falsch, sachlich falsch!!!
    friko.1943@googlemail.com

    Fragment 1

    Die Heliaden-Verse
    1.06 ἄξων δ’ ἐν χνοίηισιν ἵει σύριγγος ἀυτήν
    1.07 αἰρόμενος (N) δοιοῖς γὰρ ἐπείγετο δινωτοῖσιν
    1.08 κύκλοις ἀμϕοτέρωϑεν ὅτε σπερχοίατο πέμπειν
    1.09 Ἡλιάδες κοῦραι προλιποῦσαι δώματα νυκτός
    1.10 εἰς ϕάος ὠσάμεναι κράτων ἄπο χερσὶ καλύπτρας

    Die eigentliche Wagenfahrt
    1.01 ἵπποι ταί με ϕέρουσαι (N) ὅσον τ’ ἐπὶ ϑυμὸς ἱκάνοι
    1.02 πέμπον ἐπεί μ’ ἐς ὁδὸν βῆσαν πολύϕημον ἄγουσαι
    1.03 δαίμονος ἣ κατὰ πάντα τῆι ϕέρει εἰδότα ϕῶτα
    1.04 τῆι ϕερόμην τῆι γάρ με πολύϕραστοι ϕέρον ἵπποι
    1.05 ἅρμα τιταίνουσαι κοῦραι δ’ ὁδὸν ἡγεμόνευον …

    1.11 … ἔνϑα πύλαι νυκτός τε καὶ ἤματός εἰσι κελεύϑων
    1.12 καί σϕας ὑπέρϑυρον ἀμϕὶς ἔχει ϰαὶ λάινος οὐδός
    1.13 αὐταὶ δ’ αἰϑέριαι πλῆνται μεγάλοισι ϑυρέτροις
    1.14 τῶν δὲ δίκην πολύποινος ἔχει κληῖδας ἀμοιβούς
    1.15 τὴν δὴ παρϕάμεναι κοῦραι μαλακοῖσι λόγοισιν
    1.16 πεῖσαν ἐπιϕραδέως ὥς σϕιν βαλανωτὸν ὀχῆα
    1.17 ἀπερέως (N) ὤσειε πυλέων ἄπο ταὶς δὲ ϑυρέτροις (N)
    1.18 χάσμ’ ἀχανὲς ποίησαν ἀναπτάμεναι πολυχάλκους
    1.19 ἄξονας ἐν σύριγξιν ἀμοιβαδὸν εἰλίξασαι
    1.20 γόμϕοις καὶ περόνηισιν ἀρηρότα τῆι ῥαδι’ αὐτέων
    121 ἰϑὺς ἔχον κοῦραι κατ’ ἀμαξιτὸν ἅρμα καὶ ἵππους
    1.22 καί με ϑεὰ πρόϕρων ὑπεδέξατο χεῖρα δὲ χειρί
    1.23 δεξιτερὴν ἕλεν ὧδε δ’ ἔπος φάτο καί με προσηύδα
    1.24 ὦ κοῦρ’ ἀϑανάτοισι συνάορος ἡνιόχοισιν
    1.25 ἵπποις ταί σε φέρουσιν ἱκάνων ἡμέτερον δῶ
    1.26 χαῖρ’ ἐπεὶ οὔτι σε μοῖρα κακὴ προὔπεμπε νέεσϑαι
    1.27 τήνδ’ ὁδόν ἦ γὰρ ἀπ’ ἀνϑρώπων ἐϰτὸς πάτου ἐστίν
    1.28 ἀλλὰ ϑέμις τε δίκη τε χρεὼ δέ σε πάντα πυϑέσϑαι
    1.29 ἠμὲν ἀληϑείης εὐκυκλέος ἀτρεμὲς ἦτορ
    1.30 ἠδὲ βροτῶν δόξας ταῖς οὐκ ἔνι πίστις ἀληϑής
    1.31 ἀλλ’ ἔμπης καὶ ταῦτα μαϑήσεαι ὡς τὰ δοκοῦντα
    1.32 χρῆν δόκιμ’ ὡς εἶναι διὰ παντὸς πάντα περῶντα

    Übersetzung

    1.06 die Wagenachse, in den Naben den Ton einer Syrinx,
    1.07 sprang empor. Denn er (der Wagen) trieb fort auf zwei sich leicht
    drehenden
    1.08 Rädern zu beiden Seiten jedesmal, wenn heftig sie (=die Pferde)
    drängten, das Geleit zu übernehmen.
    1.09 Die Heliaden hatten verlassen die Häuser der Nacht
    1.10 zum Lichte, und abgerissen von den Häuptern mit den Händen ihre Schleier

    1.01 während mich aber die Pferde duldeten, so weit mein Mut wohl
    reicht.
    1.02 Ein sicheres Geleit waren sie, nachdem sie sich in Bewegung
    gesetzt und mich auf den Weg brachten, den unbeschreiblichen
    1.03 des Dämons. Dieser Weg gerade in jeder Hinsicht hier
    hervorbringt den wissenden Mann.
    1.04 Auf diesen wurde ich gebracht, auf diesem mich
    anweisungstreue Pferde duldeten,
    1.05 wenn so sie den Wagen titanisch anzogen. Die Koren
    beherrschten wahrlich den Weg da,….
    1.11 …. wo die Übergänge der Nacht und des Tages zu den Bahnen
    gehören,
    1.12 und sie ein Türsturz auseinander hält und eine steinerne
    Schwelle.
    1.13 Diese aitherischen (Übergänge) aber waren ausgefüllt mit
    mächtigen Toren,
    1.14 deren wechselnde Verschlüsse aber rechtmäßig (δίκην!!!)
    festhält eine Rachgewalt.
    1.15 Diese aber überzeugten die Koren mit verstänigen Worten
    (=Logoi).
    1.16 Sie waren merklich überzeugt davon, daß sie ihnen doch den
    sperrenden Riegel
    1.17 widerspruchslos zurückschöbe von den Übergängen. Hinter den
    Toren aber
    1.18 einen gähnenden Schlund sie bildeten, sobald sie weit geöffnet,
    nachdem die ehernen
    1.19 Axen in den Naben sich auf die jeweilige Seite gedreht hatten.
    1.20 Mit Knebeln und Bolzen fest gefügt waren die Tore gewesen.
    Zwischen diese also hindurch auf den Weg,
    1.21 geradewegs, hielten die Koren auf die für sie befahrbare Spur hin
    Wagen und Pferde.
    1.22 Und es empfing mich eine göttliche, vordenkende Seele, rührte
    mich an mit der Hand,
    1.23 ergriff meine Rechte, und auf folgende Weise erklärte sie das
    Epos und redete mich an:
    1.24 O edler Jüngling, mit denen, die ihr sterblich Wesen überwunden,
    auf einer Stufe, auf einer Stufe mit Wagenlenkern.
    1.25 Dich erdulden diese Pferde, weil du bittend gekommen bist zu
    unserem Haus.
    1.26 Heil dir, denn kein schlechtgesinntes Schicksal wies dich an, zu
    gehen
    1.27 gerade diesen Weg, denn wahrlich abseits des betretenen
    Weges der Menscheit existiert er.
    1.28 Vielmehr geistige Notwendigkeit und Weisung, auch dein
    Verlangen, alles zu verstehen,
    1.29 sowohl der Wahrheit, der wohlabgerundeten, unerschütterliches
    Herz,
    1.30 als auch die Ansichten Sterblicher, denen wahrer Glaube nicht
    innewohnt.
    1.31 Jedoch sollst du aber noch dazu dieses gelernt haben, wie die
    allgemeinen Ansichten
    Var. Auf schlechterdings andere Weise (=ἀλλῇ ὁδῶι) sollst du aber….
    1.32 einwandfreie sein müßten, insofern sie als Grundlagen für Alles
    und Jedes gelten.

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