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015 Parmenides – Tomorrow never happens

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parmenides_groß Die in der letzten Episode versprochene Wahrheit findet sich in den Fragmenten des Lehrgedichtes Über die Natur. Nach einem rasanten Einstieg offenbart die Göttin die Wege zur Wahrheit (und auch den Weg, der von der Wahrheit weg führt):

Wohlan, ich will es dir sagen, welche Wege der Forschung allein denkbar sind. Du aber höre mein Wort und bewahre es wohl! Der eine zeigt, dass das Seiende ist und dass es unmöglich ist, dass es nicht ist. Das ist der Pfad der Überzeugung;folgt er doch der Wahrheit. Der andere aber behauptet,dass es nicht ist und dass es dieses Nichtsein notwendig geben müsse. Dieser Weg ist, das sage ich dir, völlig unerforschlich. Denn das Nichtseiende kannst du weder erkennen (denn das ist unmöglich) noch aussprechen.

So ergibt sich die Wahrheit, rein logisch, aus einem indirekten Beweisverfahren:

Dies muss man denken und sagen: Nur das Seiende gibt es. Denn es ist möglich, dass es wirklich vorhanden ist;das Nichtseiende aber ist unmöglich; das heiße ich dich bedenken. Zuerst warne ich dich vor diesem Weg derForschung, dann aber auch vor dem, auf dem nichtwissendeSterbliche umherirren, doppelköpfige. Denn Ratlosigkeit lenkten ihrer Brust ihren aus der Bahn geworfenen Sinn. Sie aber treiben dahin, taub und blind zugleich, blöde glotzende,urteilslose Haufen, die Sein und Nichtsein für dasselbe halten und nicht für dasselbe. Menschen, für die es bei allem Geschehen zugleich einen umgekehrten Weg gibt.

Ein eindeutiger Bezug zum Zeitgenossen:

Heraklit: Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben; wir sind es, und wir sind es nicht.

Mir gefällt übrigens das Verb glotzen an dieser Stelle sehr gut; Brecht lässt seinen Galilei tatsächlich auch sagen:

Glotzen ist nicht sehen.

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