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027 Zwischenruf zur Macht (1)

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Ich möchte gerne eine thematische Pause einlegen. Das heißt nicht, dass mich die Geschichte der Philosophie nicht mehr interessiert. Selbstverständlich werde ich wieder an Anaxagoras anknüpfen. Aber mich beschäftigen gerade andere, aktuelle Fragen zu sehr, als das ich sie ignorieren möchte.

Das heißt, es wird einige Folgen geben, die sich thematisch konzentriert mit bestimmten Begriffen und Ideen beschäftigen werden. Ich möchte gerne einen kurzen und vorbereitenden Einschub machen, um dann auf ein Werk zu kommen, das mich momentan sehr in Atem hält.

Für die Strukturierung greife ich auf hauptsächlich auf diesen Band* zurück.

Über Rückmeldungen und auch über Kritik bin ich (wie sonst auch) sehr dankbar.

Und ja, der Trojaalert hält auch etwas zur Phalanx bereit.

P.s. In meinem auf die Griechen gerichteten Kopf sind die beiden Könige Agamemnon und Priamos durcheinander geraten. Ich spreche zwar von Agamemnon (und das Gesagte trifft auf ihn tatsächlich auch zu), meine aber eigentlich Priamos. Sorry!

10 Kommentare

    • horay

      Hallo Alexander,

      vielen Dank für die Rückmeldung. Ich stimme dir da zu. Für die europäische Philosophiegeschichte bietet sich diese Vorgehensweise (geordnet nach Personen) ganz gut an. Aber so einen thematischen roten Faden finde ich gerade auch sehr reizvoll.

    • horay

      Vielen Dank. Es freut mich, dass dir die Folge gefallen hat.

      Ja, du hast Recht, die Folge ist auch für Vorzeiten interessant. Sie ist aber hier gelandet, weil ich bei Vorzeiten die Themen noch einmal anders und auch intensiver behandeln möchte. Außerdem schaue ich tatsächlich aus philosophischer Perspektive auf die einzelnen Begriffe.

  1. Ich finde diese Einschübe mit “Überblicksthemen” gut, egal ob sie jetzt hier oder in Vorzeiten erscheinen.

    Zur Folge eine kleine Anmerkung: du bezeichnest Agamemnon an 1 oder 2 Stellen als König von Troja. Allerdings führte er doch gerade das griechische Heer an. Oder übernahm der nach der Eroberung den Trojanischen Thron?

    • horay

      Hallo Katrin,

      erst einmal vielen Dank für dein Feedback. Du hast Recht – ich habe die beiden “Könige” durcheinander gedacht. Das Gesagte trifft tatsächlich auch auf Agamemnon zu, ich hatte aber eigentlich Priamos im Kopf. Pardon.

  2. Ich finde dieses Zwischenspiel sehr gut. Wenn’s nach mir ginge könntest du häufiger nach Themen statt nach Geschichte sortieren.

    Vielen Dank für diese Folge. Und danke auch für den Verweis auf den Troja Alert.

    Liebe Grüße

    Stefan

  3. Hallo,

    du sagst sinngemäß, dass durch die Rede in der antiken Polis Menschen Macht erlangen bzw. politischen Einfluss ausübten.

    Ist der Begriff “Macht” hier angebracht?

    Wir verwenden den Begriff sehr häufig, meinen aber eigentlich etwas, was mit “Herrschaft” charakterisiert wird:

    “§ 1. »Herrschaft« soll, definitionsgemäß (Kap. I, § 16), die Chance heißen, für spezifische (oder: für alle) Befehle bei einer angebbaren Gruppe von Menschen Gehorsam zu finden. […]” (Weber in Wirtschaft und Gesellschaft, 1922)

    Macht ist, wenn du mit vorgehaltener Pistole zu einer Handlung gezwungen wirst. Herrschaft ist, wenn du ein “Einsehen” hast, dass eine Handlung notwendig ist. Ich finde, “Duldung” passt hier auch rein.

    Was ist also das Ziel einer Rede, der Rhetorik? Es besteht darin ein “Einsehen” bzw. die Duldung einer bestimmten Handlung zu erreichen. Es ist sehr unwahrscheinlich, die Leute für eigene Position zu begeistern. Eher ist es wahrscheinlich, dass die Leute die eigene Position abnicken. Hier gilt das Motto: ich habe keine bessere Idee als du, also übernehme ich deine.

    Genau dies ist doch das Konzept der Agora was dem Palast entgegensteht. Soldaten üben Zwang auf Bewohner aus, damit der Wille des Königs befolgt wird. Hier wird eine binäre Zuspitzung klar. Auch Könige überzeugen ihre Mitmenschen, auch Parlamente üben Zwang auf Bürger aus. Gerade in bestimmten Situationen wird diese binäre Einteilung deutlich. Könige können als letztes Mittel auf ihre Soldaten zurück greifen. Das letzte Mittel der Agora ist die Rede, ist die Notwendigkeit, die Mitmenschen überzeugen zu müssen. Der König appelliert an die Angst, die Agora appelliert an die Vernunft.

    Ein Rückblick in die antike Polis verzerrt vielleicht ein Stück weit unser Verständnis von Demokratie. Wenn ich anschaue, wie intensiv, mit wie vielen Themen sich allein Kommunalpolitiker beschäftigen müssen, wird mir der Arbeitsaufwand bewusst.

    Ich bin halt Politikwissenschaftler und eher in der politischen Ideengeschichte unterwegs.

    Gegenwärtige Demokratien, gegenwärtige Gesellschaften “ticken” ganz anders als ihre antiken Pendants. Ihre Schlagzahl ist viel höher.

    Das sollte man sich bei der Beschäftigung mit antiker Philosophie vergegenwärtigen. Die Fragen sind die Selben geblieben, die Antworten sind detaillierter aber auch umfassender. Es ist wie mit Opas alter Taschenuhr: sie zeigt die Zeit an. Sie ist ein Erbstück, genau darüber erhält sie ihren Wert. Heute will man keine Uhren mehr aufziehen müssen, man will die Zeit genauer messen können, man will mit der telefonieren, surfen…

    Ich schweife ab.

    Um nicht allzu kritisch rüberzukommen: ich find gut was du machst! Die Kürze und die Anekdotenhaftigkeit gefällt mir sehr. Mach weiter so, egal mit welchem Thema! Wie gesagt, der Folge ist mir eine Begriffschwammigkeit aufgefallen. Die Unterscheidung Macht Herrschaft macht den Gegensatz Palast König sehr deutlich.

    Gruß, David

  4. David

    Vielen Dank für diesen “Exkurs”, auf den ich über das Sendungsbewusstsein-Interview mit dir aufmerksam geworden bin. Ich persönlich bin schon vor längerem auf deinen Podcast gestoßen, in der historischen Hergehensweise etc. fühlte er sich aber für mich persönlich zu weit weg an. Jetzt einmal an einem spezifischen Thema entlangzugehen kommt meinem Interesse näher.
    Interessiert hätte mich in der Einleitung jedoch, wieso du diesen Block begonnen hast, also was dazu geführt hat, dass dich diese Überlegungen zu dem Zeitpunkt so beschäftigt haben, um auch für mich einen weiteren Kontext sehen zu können.
    Ich werde vor allen Dingen deine anderen Projekte, die meinem persönlichen Interesse näher liegen, weiter interessiert verfolgen und danke für die immer wieder erhellenden Einblicke in Diskurse, die ich sonst kaum erlebe.

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