012 Heraklit – Des Bogens Name ist Leben, seine Wirkung Tod

Heraklit ist nicht nur der Philosoph des Werdens sondern vielmehr auch der Philosoph des Kampfes zwischen den Gegensätzen.

Der Kampf ist keine Ausnahme sondern die Regel, die Gesetzmäßigkeit des Lebens und sogar das Leben selbst.

Kampf ist der Vater von allem, der König von allem: die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien
Aus diesem Kampf heraus ergibt sich tatsächlich eine Ordnung.

 

Das Entgegengesetzte passt zusammen, aus dem Verschiedenen ergibt sich die schönste Harmonie, und alles entsteht auf dem Wege des Streites.

 

Wir müssen wissen, dass Krieg allen gemeinsam und dass Kampf Gerechtigkeit ist.So ist es nachvollziehbar, dass Heraklit sich gegen die Auffassung von Homer stellt, der den Kampf aus der Welt der Götter und Menschen verbannen möchte.

 

Möchte doch schwinden der Streit aus der Welt der Götter und Menschen. (Ilias)

Ohne den Kampf zwischen den Gegensätzen, kann es aber kein Leben geben, denn

Krankheit macht die Gesundheit angenehm, Schlimmes das Gute, Hunger die Sättigung, Anstrengung die Ruhe.

Aus dem Prinzip des Kampfes und des Gegensatzes entsteht also eine Ordnung, ein Kosmos. Wir sehen diese Deutung in einem Vergleich von Heraklit, der sich vermutzlich gegen die Pythagoreer wendet:

Sie begreifen nicht, dass es [das All-Eine], auseinanderstrebend, mit sich selbst übereinstimmt: widerstrebende Harmonie wie bei Bogen und Leier.

Heraklit kritisiert den Glauben und die Sitten, die bei seinen Mitmenschen verbreitet sind. Als Rationalist vertritt er eindeutig den Standpunkt:

Diese Welt hat weder ein Gott noch ein Mensch erschaffen.

Für die, die beten, hat Heraklit kaum Verständnis:

Zu diesen Götterbildern beten sie, wie wenn jemand mit Häusern schwatzte, ohne eine Ahnung vom Wesen der Götter und Heroen zu haben.

und auch an der Praxis der Tieropfer findet Heraklit keine nachvollziehbaren Gründe:

Sie reinigen sich vergeblich, indem sie sich mit Blut beflecken, wie wenn jemand, der in den Schmutz getreten ist, sich mit Schmutz abwaschen wollte.

Heraklit hat tatsächlich Glück, diese Ansichten in Ephesos vertreten zu haben. Wenige Jahrzehnte später wird Sokrates in Athen für weit harmlosere Vorstellungen zum Tode verurteilt.

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