013 Xenophanes

Wenn einer auch in den landesüblichen Wettkämpfen den Preis davontrüge und von seinen Mitbürgern hochgeehrt würde, wäre er doch nicht soviel wert wie ich. Denn besser als die rohe Kraft von Männern und Rossen ist meine Weisheit. Fehlt doch jenem Kult jede innere Berechtigung. Daher ist es völlig ungerecht, die rohe Kraft höher zu werten als die köstliche Weisheit. Und wenn einer auch als tüchtiger Faustkämpfer unter seinen Landsleuten auftreten oder im Fünfkampf oder als Ringer sich auszeichnete oder durch die Schnelligkeit seiner Füße – was ja unter den Wettkämpfen der Männer als Zeichen besonderer Kraft gilt – so würde dadurch doch die Wohlfahrt der Stadt in keiner Weise gefördert.

Diogenes Laertius gibt ein Zitat von Xenophanes an, aus dem hervorgeht, dass er ein hohes Alter erreicht hat:

Siebenundsechzig Jahre sind schon verflossen, seitdem ich durch das hellenische Land wandere, sorgenbeschwert;Noch um fünfundzwanzig vermehrt sich die Zahl, wenn ich rechneVon der Geburt ab, sofern mich das Gedächtnis nicht täuscht.

Xenophanes kennt als Rhapsode die Götterwelt ausgezeichnet und hatte den Homer selbstverständlich in seinem Repertoire. Und doch kritisiert er den Glaubensstand seiner Zeit:

Es war nie ein Mensch und wird nie einer sein, der sichere Kenntnis hat über die Götter und über alle Dinge, von denen ich rede. Selbst wenn er zufällig die vollständige Wahrheit spricht, weiß er nicht, dass es so ist. Aber alle mögen ihre Einbildungen haben.

Wie auch Heraklit, stellt Xenophanes sich gegen Homer und Hesiod:

Homer und Hesiod haben den Göttern alle Dinge zugeschrieben, die eine Scham und Schande sind unter Sterblichen, Diebstähle und Ehebrüche und gegenseitiges Betrügen.

Falls hier Nachholbedarf bestehen sollte, könnt ihr euch hier die Geschichten um die antiken Götter anhören:

Troja Alert

Auch seine Mitmenschen kritisiert er:

Aber die Sterblichen wähnen, dass die Götter erzeugt sind, wie sie es sind, und Kleider haben wie sie und Stimme und Gestalt.

Xenophanes glaubt an einen Gott, der

weder an Gestalt gleich den Sterblichen

[ist] noch an Gedanken, der ohne Mühsal lenkt alle Dinge mit den Gedanken seines Geistes.

Interessant ist, dass Xenophanes damit einen vollkommen neuen Gott-Begriff erschafft. Er entwickelt ihn aus der Beobachtung, dass die anthropomorphen\* Göttervorstellungen falsch sein müssen:

Die Äthiopier machen ihre Götter schwarz und stumpfnasig, die Thraker sagen, die ihrigen hätten blaue Augen und rotes Haar.

und abstrahiert:

Ja, wenn Ochsen und Pferde oder Löwen Hände hätten und könnten mit ihren Händen malen und Kunstwerke hervorbringen, wie es die Menschen tun, so würden die Pferde die Gestalten der Götter als Pferde malen und die Ochsen als Ochsen und ihre Leiber je nach ihrer eigenen Art bilden.

Wie bereits in der Seelenleben-Folge zu Pythagoras erzählt, verspottet Xenophanes die Pythagoreer und ihre Vorstellung von der Seelenwanderung:

Einst, sagt man, ging er (Pythagoras) vorüber, als ein Hund mißhandelt wurde. “Halt”, sagte er, “schlage ihn nicht. Es ist die Seele eine Freundes. Ich erkannte sie, als ich ihre Stimme hörte”.

Sehr interessant ist der Aufsatz zu Xenophanes von Popper, der sich in Die Welt des Parmenides* findet. Die abweichenden Ansätze seines Denkens haben leider keinen Platz in dieser Folge gefunden. Bei Bedarf hole ich das aber gerne nach. Gebt mir einfach eine Rückmeldung dazu.

\*vermenschlichte, dem Menschen gleiche