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028 Zwischenruf zur Macht (2)

In der zweiten Folge zum Thema Macht möchte ich mir gerne das Verhältnis von Macht und Religion ansehen.

Gleich zu Beginn möchte ich mich entschuldigen, sollte ich mich zu weit vorgewagt haben. Ich möchte mit dieser Folge keineswegs Stellung gegen die genannten Religionen beziehen.

Diesen Hinweis habe ich schon einmal für die Glaubensinterlude gemacht, auf die ich hier noch einmal zurückgreife. Und Jan Assmann ist selbstverständlich kein Religionswissenschaftler, sondern Ägyptologe. Pardon! Zurückgreifen werde ich zudem auf Xenophanes und seine Idee, dass die Vorstellungen von den Göttern lediglich Projektionen sind. Hier noch einmal die passenden Zitate:

Die Äthiopier machen ihre Götter schwarz und stumpfnasig, die Thraker sagen, die ihrigen hätten blaue Augen und rotes Haar.

und

Ja, wenn Ochsen und Pferde oder Löwen Hände hätten und könnten mit ihren Händen malen und Kunstwerke hervorbringen, wie es die Menschen tun, so würden die Pferde die Gestalten der Götter als Pferde malen und die Ochsen als Ochsen und ihre Leiber je nach ihrer eigenen Art bilden.

Der Bibeltext, den ich an den Anfang stelle, noch einmal in Textform:

Jeder soll sich der Ordnungsmacht des Staates fügen. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott verliehen wird.
Wer sich also gegen die staatliche Gewalt auflehnt, widersetzt sich der Anordnung Gottes und wird dafür bestraft werden.
Wer das Gute tut, braucht die Herrschenden nicht zu fürchten. Das müssen nur die, die Böses tun. Wenn ihr also ohne Angst vor der Staatsgewalt leben wollt, dann tut, was recht ist, und ihr werdet ihre Anerkennung finden.
Denn sie steht im Dienst Gottes, um euch beim Tun des Guten zu helfen. Wenn ihr aber Unrecht tut, müßt ihr euch vor ihr fürchten. Denn die Vollmacht zu strafen seht ihr rechtmäßig zu. Im Auftrag Gottes vollstreckt sie das Urteil an denen, die Böses tun. Darum müßt ihr euch der Staatsgewalt unterordnen, nicht nur aus Furcht vor dem Zorn Gottes, sondern auch, weil euer Gewissen euch dazu anhält. (Römer 13, 1-5)

Voltaire habe ich zwar genannt, aber vergessen das gemeinte Werk mit anzuführen. Das hole ich hier* nach. Und gerne verweise ich auch auf die Sterntagebücher* von Lem.

 

2 Kommentare

  1. Auch für diese Folge vielen Dank!

    Einen Gedanken möchte ich einbringen:
    Du unterscheidest am Anfang polytheistische und monotheistische Religionen und stellst Überlegungen zu den zugehörigen Verhaltensweisen im Angesicht anderer Religionen an.
    Ich stimme deinen Beobachtungen zu, mein Eindruck ist aber, dass es nicht die Unterscheidung Polytheismus – Monotheismus ist, die den Unterschied ausmacht, sondern die Unterscheidung mündliche Überlieferung – schriftliche Überlieferung.

    Auch eine monotheistische Religion hätte – wenn sie mündlich weitergegeben würde – wenig Schwierigkeiten, Geschichten über andere Götter in das eigene Narrativ einzuweben. Das ist ja auch genau das, was christliche Missionare getan haben, so lange sie ohne Schriftkenntnis oder gar ohne Schrift (v.a. vor dem Konzil von Nicäa) in der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends bei z.B. Kelten oder Germanen missionieren gingen.

    Eine schriftlich überlieferte Religion (auch eine polytheistische) hat aber eine Eigenschaft, die der mündlich überlieferten fehlt: das Potential zum Dogma. Da kann wohl über Auslegung gestritten werden, aber das, was in der jeweiligen heiligen Schrift steht, ist die göttliche Wahrheit. Alles was dieser Wahrheit explizit widerspricht, oder nicht erwähnt wird, obwohl es erwähnenswert wäre (z.B. weitere Schöpfergottheiten oder so) muss folglich falsch sein.

    Was ich hier einwerfe, ist eine Spitzfindigkeit. Schließlich sind mündlich überlieferte Religionen mit höherer Wahrscheinlichkeit polytheistisch. So ein flexibles Narrativ lässt sich viel einfacher aufrecht erhalten, wenn man die verschiedenen Geschichten und ihre Akteure nicht ständig mit einem einzigen Akteur verschmilzt, sondern nach und nach bei Bedarf weitere Akteure mit in die Geschichte aufnimmt.
    Umgekehrt ist es für eine Buchreligion einfacher, den absoluten Wahrheitsanspruch aufrechtzuerhalten, wenn ein monotheistisches Narrativ gewählt wird. So kann man Fragen ausweichen wie: “Warum sind diese 42 Götter echt, aber Nr. 43 nicht?”

    Eine Spitzfindigkeit also, aber eine, die bedeutsam ist:
    An den drei großen monotheistischen Buchreligionen ist m.E. nicht ihr Monotheismus per se problematisch, sondern die Tatsache, dass sie Buchreligionen sind und ihr Potential zum Dogma durchaus verwirklicht haben.

    • horay

      Diesen Einwurf finde ich sehr gut und auch sehr spannend. Allerdings weiß ich noch nicht so recht, ob ich dieser Argumentation vollständig zustimmen kann.

      Ja, schriftlich fixierte Religionen haben eher das Potential, dogmatisch zu werden. Da gehe ich mit. Aber auch nicht-monotheistische Religionen wurden ja schon schriftlich festgehalten (Ägypten ist hier ein sehr prominentes Beispiel), ohne dass sie in die Exklusivität umgeschlagen sind, wie sie in monotheistischen Religionen auftritt.

      Außerdem birgt ja auch das Auslegen von Texten ein großes Potential für Neuerungen. Andernfalls gäbe es nicht immer wieder Gruppen, die für sich in Anspruch nehmen, z. Bsp. die Bibel endlich richtig auszulegen.

      Ich muss da aber noch einmal in Ruhe drüber nachdenken. Wir bleiben ja sicher im Gespräch 😉

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