025 Milet und wer?

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Athen_AgoraEine Episode zu einer Stadt? Diese ist so besonders und so einflussreich, dass ich diese Ausnahme hier gerne machen möchte. Mit der heutigen Folge kommen wir nach Athen und warum diese Stadt eine so große Bedeutung erlangen konnte, möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Außerdem kommen eine Menge großer Leute zur Sprache (wenn zum Teil auch nur namentlich). Der erwähnte Briefwechsel zwischen Darius und Heraklit findet sich hier in der Folge zu Heraklit.

Zur Beziehung von Athen und Athene verweise ich einmal mehr auf den Troja Alert.

Wenn ihr Lust auf mehr Geschichte und Geschichten habt, dann schaut euch gerne einmal hier bei Vorzeiten um.

024 Sündiger Gott

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EmpedoklesHier kommt sie nun, die letzte Folge zu Empedokles. Zum Abschluss erhaltet ihr einen kurzen Einblick in die religiösen Ideen dieses Denkers, Gottes und offensichtlich auch Sünders.

Als Pythagoreer glaubt Empedokles an die Seelenwanderung und skizziert den Lauf seiner eigenen Seelengeschichte wie folgt:

Selbst schon ward ich geboren als Knabe und Mädchen und war schon
 Pflanze und Vogel und stummer Fisch in den Fluten des Meeres.

Hier finden sich alle notwendigen Angaben, um die Seele ins Verderben zu stürzen:

Es gibt ein Orakel der Notwendigkeit, eine alte Bestimmung der Götter, ewig und fest besiegelt mit breiten Eiden, dass, wenn jemals einer der Dämonen, welchem langes Leben zuteil geworden ist, seine Hände sündig mit Blut befleckt hat oder Streit geführt hat und falsch geschworen hat, er dreimal zehntausend Jahre ferne von den Wohnungen der Seligen wandern muss, während er die ganze Zeit hindurch in allen Arten sterblicher Gestalten geboren wird, einen mühseligen Lebenspfad mit dem anderen vertauschend. Denn die mächtige Luft treibt ihn ins Meer, und das Meer speit ihn aus auf die trockene Erde, die Erde schleudert ihn zurück zu den Wirbeln der Luft. Eines nimmt ihn vom anderen, und jedes stößt ihn von sich.
Einer von diesen bin ich jetzt, ein Verbannter und ein Wanderer fern von den Göttern, weil ich mein Vertrauen in sinnlosen Streit setzte.

Zu seinen eigenen Sünden äußert Empedokles sich nicht direkt, es gibt aber Fragmente, die sündiges Verhalten andeuten:

Ach, wehe mir, dass mich der mitleidlose Todestag nicht vernichtet, bevor ich je üble Taten des Fraßes mit meinen Lippen vollbrachte.

Und, selbstverständlich darf die obligatorische Bohnenwarnung nicht fehlen:

Elende, ganz Elende, lasset die Hände von Bohnen!

Schaffen die Seelen es, sich aus dem irdischen Jammertal zu befreien,

dann erheben sie sich als Götter, an Ehren erhaben, anteilhabend am Herde der anderen Götter und dem gleichen Tisch, frei von menschlichem Weh, gesichert gegen das Schicksal und unverletzbar.

Empedokles beschreibt das Göttliche, in Anlehnung an Xenophanes als:

heiligen und unaussprechlichen Geist, der mit schnellen Gedanken den ganzen Weltenbau durchfliegt.

 

023 Empedokles

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EmpedoklesPhilosophisch orientiert sich Empedokles an seinen vielzähligen Vorgängern; bei ihm fließt all das wieder zusammen, was ich in den vorhergehenden Episoden auseinandergenommen habe. Es sind zwei mal zwei Pole, zwischen denen sich das Denken des Empedokles bewegt. Er orientiert sich an der Milesischen Schule und gleichzeitig an Pythagoras. Außerdem verbindet er das Seiende des Parmenides mit dem Werden des Heraklit.

Letzteres gelingt durch das Konzept der Urstoffe, die sich miteinander verbinden aber auch voneinander lösen können. Die Stoffe sind:

Denn fürs erste vernimm des Weltalls vierfache Wurzel:
Zeus, der Strahlende, Hera, der Nahrung Spenderin, Hades, Nestis, die irdische Naß läßt aus den Tränen entquellen.

also Feuer, Erde, Luft und Wasser.

Was irgend aus glücklicher Mischung entstammt, ist liebend vereint, aneinander gepaßt von der Macht Aphrodites.

Im Goldenen Zeitalter herrschte nur Aphrodite aber der Wandel der Welt sorgt für folgende Vorhersage:

Zweierlei künd’ ich: Bald wächst aus mehreren Teilen ein Ganzes. 
Bald auseinander tritt wieder das Eine in mehrere Teile. 
Zwiefach ist irdischer Dinge Entsteh’n und zwiefach ihr Schwinden.

Nach wie vor gibt es keinen leeren Raum, denn:

Nimmermehr kann ja aus dem, was nicht ist, etwas entstehen.

Wie diese Dinge genau zusammenhängen, erfahrt ihr hier in der Episode:

 

022 Empedokles feat. Darwin

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Klepshydra

Nicht nur das Leben des Empedokles ist außerordentlich abwechslungsreich, sondern auch seine Lehre. Und damit ist dann auch der Fahrplan für die nächsten Folgen weitgehend vorgegeben. In dieser Episode möchte ich euch Empedokles als Wissenschaftler vorstellen. Das heißt, wir kommen von physikalischen Entdeckungen und über die Astronomie, hin zu einer antiken Vorform der Evolutionstheorie.

In den nächsten Folgen werde ich euch dann etwas über die Philosophie und vielleicht ja auch noch über die Religion des Empedokles erzählen.

Selbstverständlich stelle ich euch hier die erwähnten Zitate zur Verfügung.

Zur Entdeckungsgeschichte der Luft:

Wie wenn ein Mädchen, das mit einer Wasseruhr aus blankem Erze spielt, die Mündung der Pfeife auf ihre anmutige Hand hält und die Wasseruhr in die nachgebende Silberflut des Wassers taucht – der Strom dann nicht ins Gefäß fließt, sondern die Luftmenge darin, gegen die engen Löcher drückend, ihn zurückhält, bis jene den zurückgehaltenen Strom aufdeckt, aber dann die Luft entweicht und die gleiche Menge Wassser einströmt

Mondlicht ist nur reflektiertes Licht:

Sowie das Sonnenlicht den weiten Kreis des Mondes getroffen, prallt es alsbald zurück und durcheilt wieder den Himmelsraum (um zu uns zu gelangen).

Hieronymus Bosch meets Charles Darwin:

In (der Erde) entsprossen viele Köpfe ohne Hälse, Arme irrten für sich allein umher, ohne Schultern, und Augen schweiften allein herum, der Stirnen entbehrend.
Mißgestalten erwuchsen so mit doppeltem Antlitz,
Doppelter Brust, Schleppfüßige auch mit unzähligen Händen,
Rinderleiber tauchten empor mit menschlichen Köpfen,
Wiederum menschliche Körper mit Ochsenköpfen versehen,
Zwittergeschöpfe teils Mann teils Weib mit beschattetem Schamglied.

Viel Vergnügen mit der neuen Folge. Ach ja, und hier ist die Folge, aus der ich mir die Einleitung geborgt habe: Die Hoersuppe

 

021 Empedokles

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EmpedoklesWir kommen in den nächsten Folgen zu den Naturphilosophen, die sich der Aufgabe stellen, nach und mit Parmenides weiterzudenken. Dieser Zeitraum ist durch drei große Namen gekennzeichnet; Empedokles, Anaxagoras und Demokrit.

Den Anfang macht hier Empedokles, eine ausgesprochen schillernde Persönlichkeit.
Irgendwo zwischen Gott und Scharlatan, Esoteriker und “Windebändiger”. Empedokles selbst hat eine ganz klare Vorstellung von sich:

Nicht mehr bin ich ein Sterblicher euch, ein unsterblicher Gott jetzt

Wandr’ ich umher, verehrt von jedermann, wie sich’s gebühret;

Heilige Binden und blühende Kränze umgeben das Haupt mir.

Wenn ich, von Jüngern geleitet, von Männern und Frauen, dann einzieh’

In die herrlichen Städte, zollt überall man mir Verehrung.

Tausende kommen und fragen, wo doch zum Heile der Pfad führt.

Sehersprüche verlangen die einen und andere wünschen

Von mir ein kräftiges Wort, um allerlei Krankheit zu bannen,

Weil sie schon lang sich fühlen gequält von heftigen Leiden.

Durch eine Begegnung mit Xenophanes kommt Empedokles als junger Mann zur Philosophie, trifft Parmenides und Zenon, schreibt sich schließlich bei einer Schule des [Pythagoras] ein und geht dann doch direkt in den Orient.

Was dann noch kommt, könnt ihr direkt in der Folge hören. Viel Vergnügen!

P.s. Die Folge ist etwas länger geraten, aber dafür muss sie auch für den Februar genügen. Wir hören uns dann im März wieder.

 

020 Seinsfragen

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Durch Fragen eurerseits ist noch einmal ein Rundumschlag zum Seienden entstanden. Damit der Empedokles anschließend nicht im Regen steht, hier diese Zusatzfolge.
Ich werde die Überlegungen, die bereits in der Parmenides-Folge dargelegt wurden, hier noch einmal rund machen.

Parmenides fragt sich zum ersten Mal:

Was ist die gemeinsame Voraussetzung all der früheren Ansichten?

Die Antwort die er darauf findet ist:

Die Existenz des Nichtseienden.

Daran schließt sich folgende Frage an:

Kann ein solches Nichtseieindes überhaupt gedacht werden?

Die Antwort des Parmenides lautet:

Das ist unmöglich.

Entsprechend kommt Parmenides zu der vollkommen neuen Ansicht:

Das Seiende ist.

Mein Lieblingsbeispiel für ein Schlußverfahren kommt übrigens von Woody Allen (ist aber leider nicht korrekt):

Sokrates ist ein Mensch.

Alle Menschen sind sterblich.

Also bin ich Sokrates.

 

019 Glaubensinterlude

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mosaische_unterscheidung Gleich zu Beginn möchte ich mich entschuldigen, sollte ich mich zu weit vorgewagt haben. Ich möchte mit dieser Folge keineswegs Stellung gegen die genannten Religionen beziehen.

Ich bin über ein Buch (oder besser über zwei Bücher) zu einem recht spannenden Thema gestolpert, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Außerdem passt es ganz gut zu den aktuellen Episoden.

Die Bücher sind beide von Jan Assmann, einem Ägyptologen, der sich fragt, welche Folgen der Übergang vom Polytheismus hin zum Monotheismus hat.

Schon in seinem Buch Moses der Ägypter* wird dieser Übergang beschrieben. Ausgeführt wird Die Mosaische Unterscheidung* dann in dem Buch, das den entsprechenden Titel trägt.

Gerne verweise ich auch hier noch einmal auf die aktuellen Folgen des Trojaalert, der sich derzeit mit dem Alten Testament auseinandersetzt.

Über Kommentare und Rückmeldungen freue ich mich hier ganz besonders. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich selbst von den präsentierten Überlegungen halte.
Hier noch das versprochene “Zitat”:

Ihr fragt: “Womit sollen wir vor den Herrn treten, diesen großen und erhabenen Gott? Was sollen wir ihm bringen, wenn wir uns vor ihm niederwerfen? Sollen wir einjährige Rinder als Opfer auf seinem Altar verbrennen? Können wir ihn damit erfreuen, dass wir ihm Tausende von Schafböcken und Ströme von Olivenöl bringen? Sollen wir unsere erstgeborenen Söhne opfern, damit er uns unsere Schuld vergibt?” Der Herr hat euch wissen lassen, was er von euch erwartet! Achtet auf das Recht, erweist einander Gutes, tut nichts ohne euren Gott. (Micha 6, 6-8)

 

018 Melissos

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OLYMPUS DIGITAL CAMERA Zurück zum Tagesgeschäft und zurück nach Elea. Ich möchte euch den zweiten Schüler des Parmenides vorstellen, auch wenn leider nicht so sehr viel zu ihm überliefert ist.

Melissos ist nicht nur der Schüler des Parmenides sondern auch Schüler des Heraklit. Außerdem nimmt er Aspekte des Denkens Anaximanders mit auf.

Thematisch knüpft Melissos an Parmenides an und beschäftigt sich mit dem Seienden.
Dank Aristoteles ist uns diese Argumentation zum Sein überliefert:

Wenn etwas da ist, ist es ewig, denn aus Nichts kann nur nichts entstehen.
Wenn es ewig ist, ist es auch unendlich, da es weder Anfang hat noch Ende.
Wenn es ewig ist und unendlich, ist es auch eines, denn wäre es zwei, müßte eines das andere begrenzen.
Wenn es ewig ist und unendlich und eines, ist es auch gleichartig, denn wenn es nicht gleichartig wäre, unterschieden sich seine Teile voneinander, und es wäre also vielfältig.
Wenn es ewig ist, unendlich, eines und gleichartig, ist es auch bewegungslos, da es außerhalb seiner selbst keinen Ort gibt, wohin es sich bewegen könnte.
Wenn es ewig ist, unendlich, eines, gleichartig und bewegungslos, kann es weder leiden, noch Schmerz empfinden, da es immer sich selbst gleichen muss.

 

017 Zenon – Warten auf Einstein

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Zenon beweist die Lehre des Parmenides mit derart großem Scharfsinn, dass ihn genau dieser Umstand berühmt gemacht hat.

Auch er hält an der Unterscheidung zwischen wahr und falsch fest und veranschaulicht dieses Denken seinen Schülern:

zeno-of-elea

Dann werde ich euch einmal zeigen, zu welchen Absurditäten man gelangt, wenn man von der Existenz des Vielen ausgeht.

Ich bin schon sehr gespannt auf die Podwichtel-Folge, die am 6. Dezember hier an dieser Stelle erscheinen wird. Bis dahin fühlt euch auch herzlich eingeladen, den Utopia-Podcast anzusehen und auch anzuhören. Ich habe ihn zusammen mit Stefan vom Spoileralert und Trojaalert aufgenommen.

Auch im Dezember bleibe ich euch erhalten, allerdings in etwas anderer Form. Lasst euch einfach überraschen!

 

016 Zenon

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zenonZenon:

Ich würde dich nicht bitten, o Parmenides, wenn wir viele wären, denn nie empfiehlt es sich, diese Themen vor dem gemeinen Volk zu behandeln, das allzu viele Dinge nicht weiß; da wir hier aber nur wenige sind, bitte ich dich zu reden, auch im Namen des Sokrates, und auch, damit ich nach so langer Zeit deine Stimme wieder vernehme.

Parmenides:

Ich fühle mich gleich dem Pferd des Ibykos – zu alt, um den Lauf auf mich zu nehmen, oder auch wie der Dichter selber, zu hoch in den Jahren, um die Anstrengungen der Liebe ertragen zu können, aber ich fürchte, bei all meiner Angst, ein so weites Meer von Worten zu überqueren, werde ich euren eindringlichen Bitten nachgeben müssen.

Hier ein kurzer Auszug aus dem Dialog Parmenides von Platon. Sehr schön, dass Parmenides den Eindruck erweckt, man hätte ihn lange bitten müssen, seine Ideen darzulegen. Sein Schüler Zenon war tatsächlich ein wahrer Meister, wenn es darum ging, die Lehre des Parmenides einzuleiten und zu verteidigen.

Die letzten Worte des Zenon:

Tugend allein reicht im Leben nicht aus, man braucht auch die Hilfe eines glücklichen Geschicks.